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Ausbildung & Co. Düsseldorf Wann ein Praktikum sinnvoll ist

Foto: Getty Images/Amorn Suriyan

Wie soll man sich zum Ende der Schullaufbahn für einen Berufsweg entscheiden, wenn man gar nicht weiß, was sich hinter einem bestimmten Job verbirgt? Bei der Entscheidung können Praktika helfen. Sie müssen aber gut geplant sein. Von Isabelle De Bortoli

Wenn genau ich nicht weiß, was ein Tischler, eine Pflegefachkraft, ein Industriekaufmann macht, ist es schwer, sich ein Jahr vor dem Schulabschluss für eine Lehrstelle im Handwerk, in der Industrie, im Handel oder im Gesundheitswesen zu bewerben. Viele Jugendliche fühlen sich bei der Berufswahl überfordert. Die Mehrheit (53 Prozent) finde sich in den vielfältigen Informationen zum Thema nur schwer zurecht, wie jüngst die Bertelsmann Stiftung in einer Umfrage herausfand. Nur 37 Prozent der befragten Jugendlichen schätzten die Unterstützung bei ihrer beruflichen Orientierung als ausreichend ein. Besonders wichtig ist den Jugendlichen in den Fragen der Berufswahl demnach der persönliche Kontakt. Und so kann man Einblicke in einen Beruf gut über Praktika bekommen. ,,Die machen aber nur Sinn, wenn man eben nicht zwei Wochen nur auf einem Stuhl sitzt und hinter einem Bildschirm verschwindet, sondern wenn man wirklich etwas über den Beruf erfährt", sagt Karin Wilcke, Studien- und Berufsberaterin aus Düsseldorf. Sonst sei die Zeit für beide Seiten verschwendet.

DEN RICHTIGEN PRAKTIKUMSPLATZ FINDEN

Schon die Suche nach dem Praktikum sei entscheidend für den Erfolg, so Wilcke. ,,Ich erlebe häufig, dass da einfach das Unternehmen der Tante, der Bäcker um die Ecke oder die frühere Grundschule ausgewählt wird, einfach, weil diese Praktika leicht zu kriegen sind, bequem zu erreichen - man hat also wenig Aufwand, das Praktikum zu bekommen." Das sollte aber überhaupt nicht das Kriterium bei der Praktikumssuche sein: ,,Stattdessen sollte ich überlegen: Erstens, was interessiert mich denn? Und zweitens: Wo könnte ich auch selbst ein bisschen was tun?" Denn in einer Anwaltskanzlei beispielsweise seien die Daten der Mandanten so sensibel, dass Praktikanten dort keinen Einblick in Akten bekämen. Der ideale Zeitpunkt für ein Praktikum ist laut Wilcke in dem Jahr vor dem Ende der Schullaufbahn. ,,Und dabei sollte ich mich nicht auf das von der Schule eingeplante Schülerpraktikum verlassen, sondern tatsächlich auch einen Teil der Ferien für die Suche nach einem Beruf einsetzen, in dem ich mich sehe und für den ich mich um eine Lehrstelle bewerben möchte." Die Länge des Praktikums spiele dabei nicht unbedingt eine entscheidende Rolle: ,,Ich kann natürlich drei Wochen meiner Sommerferien bei drei verschiedenen Handwerksbetrieben schnuppern", so Wilcke. „Entscheidend ist, dass mich das in meiner Berufswahl weiterbringt." Und dafür sei es unerlässlich, das Praktikum gut vorzubereiten: Wenn ich für mich herausgefunden habe, welche Berufe mich interessieren, welche zu meinen Fähigkeiten passen, dann geht es an die Suche nach Betrieben. Und dabei sollte nicht die Bequemlichkeit im Vordergrund stehen. Im Zweifel muss man dort dann auch mal mit Bus oder Bahn hinfahren", betont die Expertin. 

Bei der Anfrage nach einem Praktikum könnte man auch danach fragen, welche Einblicke in das Unternehmen man denn bekommen könnte. Also: Darf man mit zu Kunden fahren? Darf man in die Produktion schnuppern? Zur Vorbereitung des Praktikums gehört es auch, sich Fragen zu überlegen. ,,Ich könnte die Mitarbeiter des Betriebs beispielsweise fragen, warum sie sich für den Beruf entschieden haben, was ihre Motivation ist, was sie an ihrem Beruf mögen. Und davon kann ich dann vielleicht etwas auf mich übertragen."

VIELLEICHT IST DER AUSBILDUNGSBETRIEB SCHON GEFUNDEN

Übrigens: Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen Praktika für Schüler und solchen, die sich an Studierende richten. Letztere sind deutlich länger als nur zwei oder drei Wochen, meist ins Studium integriert, oft bezahlt, und nicht selten lernt man darüber auch gleich seinen potenziellen Arbeitgeber kennen. ,,Das kann allerdings auch für Schüler gelten", sagt Karin Wilcke. ,,Denn wenn ich mich beim Praktikum interessiert zeige, einen guten Eindruck hinterlasse, dann habe ich auch gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz." Oft sei der persönliche Eindruck dann auch entscheidender, als die Noten auf dem Zeugnis.

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