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DEUTSCHER LOGISTIK-KONGRESS 2023 Deutscher Logistik-Kongress: Logistik lässt die Muskeln spielen

Der Wirtschaftsbereich Logistik zählt zu den Top 3 in der deutschen Wirtschaft - was vielfach unterschätzt wird. Auf dem Deutschen Logistik-Kongress hat der Wirtschaftsbereich seine Leistungen, aber auch die Herausforderungen in den Mittelpunkt gestellt. Professor Thomas Wimmer, Vorsitzender des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik, sieht hoffnungsvoll in die Zukunft.

Professor Thomas Wimmer, Vorsitzender des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik FOTO: JAN MEIER

Manchmal braucht es großer Auftritte, um die eigene Bedeutung zu unterstreichen. Nach den schwierigen Corona-Jahren sind es die deutschen Logistiker, die jetzt in Berlin die Muskeln spielen ließen. Drei Tage lang trafen sich rund 2.000 Teilnehmer aus 40 Nationen beim Deutschen Logistik-Kongress, um sich über die Situation des Wirtschaftsbereichs und über die großen Herausforderungen für die nächsten Jahren auszutauschen. 

An Herausforderungen mangelt es auch der Logistik nicht, die vor allem damit zu tun hat, dass Leistungen und Image oftmals nicht zusammenpassen. Das beschönigt auch Professor Thomas Wimmer nicht: „Die Selbstvermarktung der Logistik ist eher rustikal. Der Logistiker neigt dazu, sich vornehmlich um seine Arbeit zu kümmern, und nicht seine Zeit dazu zu verwenden, sich nach außen darzustellen – da können wir mehr machen.“ Der Vorsitzende des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik (BVL), die mit dem Logistik-Kongress einen der größten Wirtschaftskongresse in Deutschland veranstaltet, verweist aber auch auf den Corona-Effekt: „Vielen Menschen ist erst im Rahmen der Corona-Krise bewusst geworden, was Logistik bedeutet – wie eng weltweite Wertschöpfungsketten miteinander vernetzt sind und was es bedeutet, wenn Grenzen geschlossen und Waren nicht mehr geliefert werden.“ 

Dabei hat sich der Wirtschaftsbereich in den letzten Jahrzehnten blendend entwickelt. Über drei Millionen Menschen beschäftigt die Logistik im Land, im Jahr 2004 waren es noch 2,6 Millionen Beschäftigte. Und auch die Corona-Delle hat sie längst überwunden, bekräftigt Professor Wimmer: „Wir erwarten für dieses Jahr einen Umsatz von rund 330 Milliarden Euro – wir sind damit nach der Automobilindustrie und dem Handel der drittgrößte Wirtschaftszweig des Landes.“ 

Das sind stolze Zahlen, die aber auch zeigen, wieviel Wirtschaftskraft hinter diesem breiten Logistik-Markt steht. „Zur Logistik zählen schließlich auch Industrie, Handel, Logistik-Dienstleister und viele mehr. Über 200 Berufe gibt es bei uns, mit den unterschiedlichsten Aufgaben“, ergänzt der BVL-Vorsitzende. „Um diese Vielfalt abzubilden, benötigen wir Menschen mit unterschiedlichsten Qualifikationen: Informatiker, Spezialisten für Infrastruktur, Juristen für Verträge, Ingenieure und auch Menschen, die in der physischen Logistik tätig sind“, erläutert der Professor, der selbst als Ingenieur in diesem Wirtschaftsbereich tätig war. 

Die Vielfalt ist Stärke und gleichzeitig Schwäche – denn auch die Logistiker haben Probleme, genug Menschen für ihre Unternehmen zu finden (das schwach ausgeprägte Image haben wir bereits angesprochen). Über die Engpässe bei Lkw-Fahrern und Lagerarbeitern wurde schon öfter mal geklagt. Der BVL-Vorsitzende nimmt hier kein Blatt vor den Mund: „Wir schätzen, dass rund 60.000 bis 80.000 Lkw-Fahrer fehlen. Die gute Nachricht ist aber: Diese Zahlen sind in den letzten Jahren nicht mehr geworden, obwohl es ein starkes Wachstum bei den Lkw-Verkehren gab - anscheinend haben die Betriebe Wege gefunden, um das auszugleichen.“ Aber: Gerade in den akademischen Berufen gehen den Logistikern die Mitarbeiter aus. Professor Wimmer: „Aktuell sind rund 450.000 Akademiker in unserem Wirtschaftsbereich beschäftigt, davon gehen rund zehn Prozent in den nächsten Jahren in den Ruhestand.“

Kein Wunder, dass die Logistik nach Lösungen sucht –  in Berlin wurde eifrig darüber diskutiert. Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Effizienz sind Stichworte, die die Logistiker bewegen und wo sie sich auch in einer Spitzenposition sehen. „Wenn ich höre, die Logistik sei nicht innovativ genug, schwillt mir der Kamm“, erläutert Professor Wimmer. „Seit Jahren steht die deutsche Logistik im internationalen Vergleich an der Spitze“, ergänzt er und verweist auf eine Weltbank-Studie, wonach die deutschen Logistiker seit Jahren unter den Top3 zu finden sind. 

„Deutschland nimmt eine internationale Spitzenposition in Infrastrukturqualität und Logistiktechnologie ein“, unterstreicht der BVL-Vorsitzende. In der Tat beherrschen die Deutschen auch den europäischen Markt mit einem Anteil von rund 25 Prozent. Die mit rund 70.000 Unternehmen mittelständisch geprägte Branche präsentierte sich zudem auf ihrem Kongress mit innovativen Ideen. 

Professor Wimmer verweist etwa auf den Versand-Dienstleister Hermes, der bis zum Jahresende in der Großstadt Hamburg komplett auf Elektromobilität umstellt: „Das gilt nicht nur für die Innenstadt, sondern auch für alle Außenbereiche, das ist beachtlich.“ Fasziniert ist der Professor auch von einem Unternehmen, „das mit mathematischen Methoden die Routenplanung revolutioniert hat – das funktioniert jetzt um 20 Prozent besser“. Lagersysteme, die alle Waren digital mit hochkomplexen Systemen erfassen, Gütertransport-Planungssysteme mit Künstlicher Intelligenz, die innerhalb von kürzester Zeit die besten Routen über verschiedene Verkehrsträger hinweg planen…. Professor Wimmer gerät unwillkürlich ins Schwärmen, wenn er über den Fortschritt in der Logistik berichtet. Und dennoch: die Probleme bleiben groß. Die hohen Energiepreise treffen auch die Logistik empfindlich, aber ein Thema beschäftigt alle Unternehmen der Branche gleichermaßen: die überbordende Bürokratie. „Wir wünschen uns eine Entbürokratisierung“, appelliert der BVL-Vorsitzende an die Politik. „Wir benötigen nicht noch mehr Verbote, sondern einfach mehr Freiheit für die Unternehmen.“ Allen Sorgen zum Trotz sieht der BVL-Vorsitzende positiv in die Zukunft: „Die Weltwirtschaft wächst immer noch, in vielen Ländern wachsen Mittelschichten heran - das wird weiterhin zu Warenströmen und Geldflüssen führen. Mir ist wirklich nicht bange!“ JOSÉ MACIAS

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