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DEUTSCHER LOGISTIK-KONGRESS 2023 40. Logistikkongress in Berlin: Suche nach Fachkräften

Cybersicherheit gehört zu den wichtigsten Themen, mit denen sich die Logistikbranche auf ihrem 40. Logistikkongress beschäftigte. Aber auch der Fachkräftemangel drückt auf die Stimmung.

FOTO: GETTYIMAGES

Die Transport- und Logistikbranche spürt die aktuellen Krisen deutlich – der Krieg in der Ukraine, hohe Kraftstoffpreise, Grenzkontrollen und die schwächelnde Konjunktur. Zeitgleich hat sie wichtige Herausforderungen zu meistern, wie den Umstieg vom Diesel auf alternative Kraftstoffe, die Digitalisierung, den Fachkräftemangel oder die Sicherung ihrer Lieferketten. Diese Themen und viele andere diskutierten in der vergangenen Woche gute 2000 Fachleute beim 40. Deutschen Logistikkongress in Berlin diskutiert. 

Die Branche schaut deshalb wenig optimistisch auf das Jahr 2024. Laut der Logistikweisen, eine Forschergruppe rund um Christian Kille, Professor an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt, wird der Wirtschaftsbereich ohne Preissteigerungen um 3,5 Prozent schrumpfen. Für 2023 rechnen sie mit einem realen Minus von zwei Prozent. 

Umso wichtiger ist es für die führenden Logistiker, sich bei dem jährlichen dreitägigen Treffen über die wesentlichen Herausforderungen auszutauschen. In der Studie „Trends und Strategien in der Logistik und im Supply Chain Management“ der Bundesvereinigung Logistik (BVL) und des Lehrstuhls Logistik und Unternehmensführung der TU Hamburg Harburg nannten die meisten von 251 befragten Unternehmen die Cybersicherheit als wichtigstes Themenfeld, gefolgt von der Digitalisierung von Geschäftsprozessen und dem Mangel an qualifiziertem Personal. An letzter Stelle steht die Nachhaltigkeit, die in den Diskussionen über die Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs allgegenwärtig ist. 

Alle führenden Lkw-Hersteller arbeiten an klimafreundlichen Fahrzeugmodellen für die Logistik. MAN Truck beispielsweise plant im kommenden Jahr mit rund 300 Fahrzeugen, für 2025 sind 3000 bis 6000 geplant. Das hängt laut MAN-Forschungs- und Entwicklungsvorstand Frederick Zohm jedoch von der Nachfrage ab. Derzeit ist die Förderung von klimafreundlichen schweren Nutzfahrzeugen über das Jahr 2025 hinaus nicht gesichert. „Es fehlt aber die entsprechende Ladeinfrastruktur“, sagte Patrick Burghardt, Head of People & Organizational Development bei Daimler Truck. 

Ein großes Wissensdefizit über Cybersicherheit sieht Sonna Barry von der Secida AG bei Managern. In ihrer Studie „Cybersicherheit in Supply Chains“ hat sie untersucht, wie präsent das Thema in Logistikunternehmen ist. „Cyberkriminalität ist Alltagskriminalität“, sagte Barry. Über 40 Prozent der Befragten Unternehmen hätten angegeben, dass ihr Unternehmen ein- oder mehrmals in den vergangenen fünf Jahren gehackt worden sei. Doch der Austausch zwischen den IT-Spezialisten und dem Management könnte besser sein. Der Studie zufolge konnten 42 Prozent der Manager nicht sagen, ob eine Versicherungspolice gegen Cyberangriffe vorliege, 26 Prozent waren nicht in der Lage zu sagen, ob ihr Unternehmen zur kritischen Infrastruktur gehört. 

Neben der Bedrohung von außen setzt der Fachkräftemangel den Logistikunternehmen immer mehr zu. Über zwei Drittel der Unternehmen im Landverkehrssektor und über die Hälfte in der Lagerei gaben in einer Umfrage des Ifo-Instituts im Juli an, dass sie einen Mangel an Fachkräften verzeichneten – so viel wie nie zuvor. Ein wichtiger und nur selten betrachteter Aspekt ist das Wohlbefinden der Mitarbeiter in der Transportbranche, den Werner Kissling, Leiter des Centrums für Disease Management untersucht. „Hat die Logistik ein Gesundheitsproblem?“, fragte er in seinem Vortrag und beantwortete sie gleich selbst: „Ja, sie hat wie kaum eine andere Branche ein riesiges Problem.“ Auf durchschnittlich 23,6 Tage pro Jahr kämen die Beschäftigten, die häufigste Ursache seien psychische Erkrankungen. 

Für mehr Transparenz in den Lieferketten warb indes Ilse Henne, Chief Transformation Officer der Thyssenkrupp Materials Services. Die Welt befinde sich im sogenannten BANI-Modus. Das stehe für brüchig (brittle), ängstlich (anxious), nicht-linear (non-linear) und unbegreiflich (incomprehensible). Deshalb brauche es heut mehr denn je Netzwerklösungen. In einem Netzwerk sei es einfacher Probleme zu antizipieren, weil es mehr Informationen gebe. 

Auf dieses Thema kamen auch die Teilnehmer des Abschlusspanels zu sprechen, das Rheinische-Post-Chefredakteur Moritz Döbler moderierte. „Wir müssen wieder stärker vernetzt und integriert denken“, sagte Sarah Ryglewski, Staatsministerin beim Bundeskanzler und zuständig für den die Zusammenarbeit von Bund und Länder sowie für nachhaltige Entwicklung. Sie sei sich bewusst, dass es häufig Zielkonflikte geben, zum Beispiel beim Bau von Infrastruktur. Diese müssen man klar benennen. Frank Vorrath, Vice President Supply Chain Services bei Danfoss, betonte, dass eine Kooperationskompetenz notwendig sei. SUSANNE LANDWEHR

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