Unser Rees, Unser Hamminkeln und Unser Isselburg Ausstellung des Heimatvereins Anholt in Isselburg: Wo die Geschichte lebendig wird

Die Besucher können die Bilder des Künstlers im Heimathaus bewundern

Die Vereinsvorsitzende Marianne Meyer zeigt die vielen Exponate der früheren Anholter Künstler.

ISSELBURG. Aus einer Protokollaufzeichnung aus dem Jahr 1928 geht hervor, dass es in dieser Zeit Komitees in Anholt gegeben hat, die sich für Heimatpflege, Tradition und Brauchtum einsetzten und Aufgaben wahrnehmen, die heute noch vom Heimatverein weitergeführt werden. Zur 600-Jahrfeier der damaligen Stadt Anholt kamen am 20. Juli 1947 heimatverbundene Frauen und Männer zusammen, die den Heimatverein Anholt gründeten. Ende 1947 hatte der Heimatverein bereits 118 Mitglieder. 

Heute gehören dem Verein fast 500 Mitglieder an. „Unsere Werbekampagnen, die wir regelmäßig durchführen, zeigen immer gute Resonanz“, berichtet die Geschäftsführerin Karin von Plettenberg – Vallée. Die letzte fand im Neubaugebiet Linders Feld in Anholt statt und bescherte dem Verein einige neue Mitglieder. „Man muss auch auf die Leute zugehen und auch etwas für die Jüngeren anbieten“, erläutert die Vorsitzende Marianne Meyer. Seit 2009 hat der Heimatverein das Haus in der Hohen Straße 10 angemietet und zum Heimathaus ausgebaut. Bis Anfang der 60er-Jahre war dort die Metzgerei Lange beheimatet. Wo heute das Wilhelm Rinck-Zimmer (Töpfer und Malermeister aus Anholt, 1856-1936) ist, war die Praxis von Zahnarzt Dr. Leifert untergebracht. Das Haus wurde umfangreich renoviert, mit Hilfe von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und viel ehrenamtlicher Hilfe wurden beispielsweise neue Toiletten, ein Wirtschaftsraum sowie ein gemütlicher Innenhof eingebaut. Außer Versammlungsstätte und Archiv bietet das große Gebäude Platz für zahlreiche Ausstellungsstücke und Exponate zur Geschichte Anholts. In den beiden Etagen befinden sich mehrere Ausstellungsräume mit einer vielfältigen Sammlung. Man kann eine Schusterwerkstatt, Exponate aus Arztpraxen, Apotheken, Schreibmaschinen, Sattel, Möbel, eine Schnaps-Destille, Maschinen und Geräte, Kirchengüter, Sachen von Vereinen oder einfach Gegenstände des alltäglichen Lebens, bestaunen. Dazu kommen noch zahlreiche Gemälde, alte Fotos und Modelle. „Das Haus stellt den früheren Alltag der Anholter Bevölkerung da“, so von Plettenberg – Vallée, „das sind auch einige der wenigen Dinge, die noch von der großen Anholter Kulturszene übergeblieben sind“. Zusätzlich gibt es regelmäßige Wechselausstellungen. 

Ab dem 22. Oktober werden Bilder des Anholter Heimatmalers Hermann Spaan zu sehen sein. Spaan wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden, sein Sohn stellt dafür noch weitestgehend unbekannte Zeichnungen des Künstlers zur Verfügung. Im Schlachthaus der alten Metzgerei finden heute Zusammenkünfte des Heimatvereins, Versammlungen von anderen Vereinen oder Parteien, aber auch Termine wie Klassentreffen statt. Der Raum bietet Platz für 80 Personen. 

Eine besondere Einrichtung ist auch das Zeitfenster des Heimathauses. Das wird in regelmäßigen Abständen passend zur Jahreszeit oder zu bestimmten Daten der Anholter Zeitgeschichte dekoriert. Ob passend zu den Sommerferien mit altem Fahrrad und Urlaubskoffer, zum Frühling, Herbst und Winter, eine Dekoration zum Thema St. Martin, Große Wäsche, Schuhmachermeisterei, 50 Jahre Jugendgruppe M73 oder Schützenfeste, bietet interessante Abwechslung. Leider ist die Zukunft des Heimathauses ungewiss, da der Eigentümer das Gebäude veräußern möchte und der Heimatverein die Kaufsumme wohl nicht aus eigener Kraft aufbringen kann. Ob eine weitere Anmietung doch noch geregelt werden kann und inwieweit die Stadt Isselburg dabei unterstützen kann, werden die nächsten Monate zeigen. 

Der Verein bietet im Heimathaus regelmäßig Kaffee- oder Filmenachmittage, Proot-Platt-Treffen, alle mit Kaffee und Kuchen an. Es werden regelmäßig Fahrradtouren, meist mit gemeinsamem Frühstück angeboten. Der Heimatverein organisiert den St.-Martins-Zug in Anholt und nimmt an grenzüberschreitenden Veranstaltungen wie die Schmuggeltocht am 10. September teil. „Wir sind Start- und Stempelpunkt bei der Tour“, erklärt Meyer, „wir bieten dann Führungen und Getränke an. Im letzten Jahr kamen über 100 Leute.“ 

Ab November wird auch für fünf Euro wieder der Adventskalender, mit der Gewinnmöglichkeit von zahlreichen Geld- und Sachpreisen, angeboten. Am ersten Adventswochenende gibt es zudem, parallel zum Weihnachtsmarkt, die Aktion „Advent im Heimathaus“. 

Nach Absprache kann man auch den historischen Anholter Eiskeller besichtigen. In dem gut schützten Gewölbe aus dem späten 15. Jahrhundert, in der Nähe der St. Pankratius-Kirche, wurde früher Eis gelagert, welches fast ein Jahr im gefrorenen Zustand überstand. 

Das Heimathaus ist im Sommer dienstags von 17 bis 19 Uhr geöffnet, im Winter 14-tägig sonntags von 11 bis 13 Uhr sowie auf Anfrage.

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