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Unser Rees, Unser Hamminkeln und Unser Isselburg Premiere des Films in Rees: „Der letzte Bürgermeister von Groin“

Die Hauptdarsteller zählen zu den Premierengästen in der Raiffeisenhalle an der Empeler Straße 110.

Filmemacher Wolfgang Wilhelmi (I.) und seine Protagonisten Engelbert Böhling, Franz-Josef Streuff und Werner Franken (r.) freuen sich auf die Premiere am 6. September in der Raiffeisenhalle.

REES. Die schlimme Nachricht verbreitete sich 1972 wie ein Lauffeuer im kleinen Ort: Karl Franken, Bürgermeister der damals noch eigenständigen Gemeinde Groin, war tödlich verunglückt. Bald darauf einigte sich der Gemeinderat auf einen Nachfolger, der die Geschicke des Ortes weiterleiten sollte, bis Groin zum 1. Januar 1975 eh, im Rahmen der kommunalen Neugliederung, der Stadt Rees zugeschlagen werden sollte. So wurde Engelbert Böhling unverhofft „Der letzte Bürgermeister von Groin“. 

Das ist auch der Titel einer Dokumentation, die der Xantener Filmemacher Wolfgang Wilhelmi am Mittwoch, 6. September, um 20 Uhr in der Raiffeisenhalle an der Empeler Straße 110 vorstellen wird. Der Eintritt ist frei. Zu den Premierengästen zählen Engelbert Böhling, Landwirt Franz-Josef Streuff und Karl Frankens Sohn Werner Franken. Die drei Männer sind die Hauptdarsteller des Films, der in 75 Minuten die überraschend vielseitige Geschichte des 150-Einwohner-Ortes erzählt. „Groin hat viel mehr zu bieten, als ich erwartet hatte“, sagt Wolfgang Wilhelmi, der „bestimmt 100 Mal“ nach Groin kam, um Aufnahmen mit der Kamera und seiner Flugdrohne zu machen. Er reist aber auch nach Krefeld, um den in Haldern aufgewachsenen Archäologen Dr. Christoph Reichmann zu interviewen. Dieser hat sich schon als Student in den 70er-Jahren mit der Frühgeschichte von Groin beschäftigt und teilt mit Wolfgang Wilhelmi die Überzeugung: „Groin ist die Keimzelle von Rees.“ Bodenfunde, denen der Filmemacher viele Bilder in seiner Dokumentation einräumt, belegen diese These. Denn schon mehrere Jahrhunderte, bevor die steinerne Burg Aspel auf einem künstlich angelegten Hügel im Aspeler Meer gebaut wurde, stand in Groin eine aus Holz und Erde errichtete Königsburg der Hattuarier oder Merowinger. Der rheinnahe Boden, auf dem wenige Kilometer entfernt das heutige Zentrum der Stadt Rees liegt, war zu jener Zeit noch gar nicht angeschwemmt worden. Demnach hatte Groin schon eine erste Infrastruktur, als die heutige Reeser City nur aus Rheinwasser bestand. 

Die vielen Groiner, die an dem Film mitgewirkt haben und im Rahmen von Nachbarschafts- und Vereinsfesten zu sehen sind, verbinden mit der neuen Dokumentation die Hoffnung, dass ihr kleiner Ort noch lange in Erinnerung bleibt – zumal Groin auf dem 1991 vor dem Bürgerhaus installierten Brunnen namens „Erdkruste“ unterschlagen wurde. Darum dreht sich auch die Rahmenhandlung des Films: Engelbert Böhling, steht am Anfang neben der „Erdkruste“ und trifft am Ende den Reeser Bürgermeister und heutigen Landrat Christoph Gerwers. Der kann zwar auch nicht versprechen, dass für Groin ein zehntes Loch in den Brunnen gebohrt wird, wohl aber in Aussicht stellen, dass Groin nicht aus den Köpfen der Menschen verschwinden wird: Gibt es doch die Straßennamen „Groiner Allee“ und „Groiner Kirchweg“ sowie den Tischtennisverein TTV Rees-Groin 1949 e.V. und die Lebenshilfe Unterer Niederrhein in Groin. 

„Groin ist ein gutes Beispiel für viele kleine Gemeinden am Niederrhein, die in den 70er-Jahren durch die kommunale Neuordnung an Rang verloren haben“, sagt Wolfgang Wilhelmi. Das sah auch der Landesverband Rheinland (LVR) so und unterstützte die filmische Erinnerungshilfe mit einer Förderung in Höhe von 1400 Euro. 

Mit beeindruckenden Bildern, Archivmaterial und allerlei Filmtricks erzählt die Dokumentation die komplette Geschichte: von den ersten Ansiedlungen über den Rittersitz Groin, von der Herrlichkeit Groin bis zum wirtschaftlichen Aufschwung durch Landwirtschaft und Ziegeleien. Im Zweiten Weltkrieg schrieb Groin finstere Geschichte durch das Zwangsarbeiter-Lager am heutigen Melatenweg und durch die verlustreiche „Schlacht um Groin“ zwischen alliierten Soldaten und der Wehrmacht. Wolfgang Wilhelmi besuchte Gedenkveranstaltungen in Rees und im niederländischen Megchelen, drehte bei Sommerfesten im Garten der Familie Franken, dokumentierte den Alltag in den Werkstätten der Lebenshilfe, die Aktivitäten auf dem Reiterhof Böhling oder den flinken Ballsport des TTV Rees-Groin. Und als im Frühjahr 2023 die Bäume und die Rapsfelder malerisch in Blüte standen, ließ er seine Drohne über die niederrheinische Landschaft kreisen: „Das Ergebnis ist eine Kombination aus märchenhafter Geschichte und zauberhafter Natur“, verspricht Wolfgang Wilhelmi. 

Beim Premierenabend am Mittwoch, 6. September, wird der Film „Der letzte Bürgermeister von Groin“ auch als DVD zum Preis von 15 Euro angeboten. Danach ist die DVD in der Touristeninformation am Markt oder online (www.wilhelmifilm.de) erhältlich. Dort können auch die früheren „Heimatfilme“ über Rees, Millingen, Bienen und weitere niederrheinische Städte gekauft werden.

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